Infos für Verbündete

www.genesend.de


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Heilung



25.11.13

Heilungsstufen, -schritte, -erfolge ...


www.missbrauch-opfer.info/main.asp?IDS=18


www.kalimeros-gedanken.de.vu    (Status: im Umbau)

Unter 6. sind Gedanken zur Heilung und ein Fragenkatalog für Überlebende zu finden. (Eine ältere Version der Website: im Archiv.)


www.hoffnungsreise.de/index.php?PHPSESSID=.....&page=Heilung


www.cbwhit.com/articles.htm    bzw.

   www.cbwhit.com/Victim-to-survivor.htm

Engl. Übersicht der „Merkmale“.



www.regenbogenwald.de/themen/ueberleben.htm

Gedanken und Tipps zum „Überleben“.



www.schotterblume.de/index.php?navid=16&pos=706

Sammlung persönlicher Heilungserfolge (seit 2003).


Gesundung bei Borderline – Chancen und Hindernisse
(Andreas Knuf, Dipl. Psychologe und Psych. Psychotherapeut):

www.beratung-und-fortbildung.de/html/borderline.html    bzw.

   www.beratung-und-fortbildung.de/sp_120_38.pdf


Genesung (engl. „recovery“) von psychischen Erkrankungen
(Psychose, Zwang, Manie, Depression, Angst etc.):

www.selbsthilfe.it    bzw.

   www.selbsthilfe.it/index.php?option.....=96&Itemid=28&lang=de
   26 Erfahrungsberichte (deutsch)

   www.selbsthilfe.it/index.php?option.....=97&Itemid=28&lang=de
   4 Erfahrungsberichte (englisch)

   www.selbsthilfe.it/index.php?option.....=96&Itemid=28&lang=it
   17 Erfahrungsberichte (italienisch)



Meine Gedanken zur Heilung:

Die Heilung (Genesung, Gesundung) ist das „große Ziel“ der Überlebenden und des Verbündeten.

Wie sieht dieses Ziel genau aus?  Was ist Heilung?  Was kann geheilt werden?

Es gibt Überlebende, die sich geheilt fühlen bzw. sich als geheilt ansehen.
Und es gibt Überlebende, die Heilung von sexuellem Missbrauch für vollkommen unmöglich halten.


Hundertprozentige Heilung:

Dies würde bedeuten, dass keine Folgen des Traumas mehr zu spüren sind und das Trauma somit keinen negativen Einfluss mehr auf das Leben hat.

Diese Art der Heilung wäre jedem traumatisierten Menschen zu wünschen. Allerdings ist dies wohl unmöglich, da man einen solch wichtigen Teil seines Lebens nicht vollkommen auslöschen kann.

Eine Ausnahme wäre vielleicht die totale Verdrängung des Traumas bzw. keinerlei Erkenntnis, dass man überhaupt Überlebende ist. Möglich wäre auch die vollkommene Verleugnung der Folgen bzw. die Illusion, dass man geheilt ist.

Allein die Überlebende entscheidet und spürt, dass sie geheilt ist bzw. was bei ihr bereits geheilt ist. Die Einschätzung des Verbündeten kann ggf. eine ganz andere sein.


> Heilung ist das Ziel, aber Heilung ist auch bereits der Weg dahin. <

Die Überlebende kann „genesend“ durchs Leben gehen und immer wieder ein Stück weit Heilung erfahren.

Jeder mühsam erkämpfte Schritt auf dem Heilungsweg bedeutet Entlastung und Befreiung.


Start der Heilung:

Diesen Zeitpunkt könnte man bereits beim Einsetzen der Selbstschutzmaßnahmen bzw. Überlebensstrategien (z. B. Verdrängung, Dissoziation) während der Traumatisierung oder kurz nach der Traumatisierung sehen. Die Seele aktiviert hier bereits all ihre Fähigkeiten, um so heil wie möglich zu bleiben.

Oder man sieht den Start der Heilung dann, wenn die Überlebende ...

-   nach der Verdrängung sich bewusst wird, dass sie Opfer, Traumatisierte ist.

-   sich ganz bewusst ans Trauma oder an die Traumafolgen begibt, um daran zu arbeiten.

Zu diesen frühen Zeitpunkten auf dem Heilungsweg wird keine Überlebende sich „geheilt“ fühlen, aber möglicherweise davon sprechen, dass sie bereits „heilt“ oder sich fest dazu entschlossen hat, zu heilen.


Die Heilung (Genesung, Gesundung) ist harte Arbeit und wird wahrscheinlich ein Leben lang andauern. Sich vom „Opfer“ zur „Überlebenden“ und schließlich zur „Lebenden“ zu entwickeln, das braucht sehr viel Zeit.


Zur Heilung kann z. B. dazugehören:

-   psychische und körperliche Gesundung

-   gesunde Gedanken und Verhaltensweisen

-   berufliche Entwicklung

-   wertvolle Beziehungen

-   erfüllende Partnerschaft


Entscheidet sich die Überlebende ganz bewusst dazu, auf einen bestimmten Teilbereich des Lebens (z. B. Partnerschaft) zu verzichten, dann könnte man dies als „Abkürzung“ auf dem Heilungsweg ansehen. Sie erspart sich dadurch ggf. eine Menge an Schwierigkeiten und Schmerzen und hat somit mehr Energie für andere Lebensbereiche zur Verfügung.

Die Überlebende legt fest, welchen Problemen sie zuerst ihre Aufmerksamkeit schenkt und auf welche Ziele sie in erster Linie hinarbeitet.


Egoismus bei Überlebenden:

Die Überlebende kann durchaus egoistisch erscheinen. Bei ihr geht es darum, sich langfristig ein lebenswertes Leben zu erkämpfen und ggf. täglich ein Stück weit Normalität zu erlangen. Dabei können die Anliegen, Probleme und Bedürfnisse anderer Menschen zeitweise in den Hintergrund rücken.
Was andere mühelos erledigen (Aufgaben, Arbeiten, Angelegenheiten), das kann für einen traumatisierten Menschen mit riesigen Anstrengungen verbunden sein.

Der Heilungsweg kostet viel Kraft und Zeit. Die Überlebende braucht ggf. viel Unterstützung und fordert möglicherweise auch viel Hilfe ein. Dies ist verständlich, aber für den Verbündeten eine große Herausforderung. Sowohl die aktive Hilfe als auch das Abgrenzen, Grenzensetzen und Neinsagen sind wichtig. Wenn die Überlebende zu viel Energie vom Verbündeten abzieht und er dies zulässt, dann kann er „ausbrennen“.


Die Heilung bringt Veränderungen mit sich: z. B. Therapiestart, -abbruch, mehr Nähe, mehr Abstand. Diese Änderungen können bei beiden Partnern Angst auslösen.
Sowohl das Warten auf Veränderungen (Verbesserungen) als auch der Umgang mit Veränderungen sind große Herausforderungen. Vielleicht bewertet der Verbündete eine bestimmte Veränderung ganz anders als die Überlebende.


Heilung vollzieht sich im Inneren, mit Hilfestellungen von außen.
Unterstützung kann u. a. sein: ambulante und stationäre Therapie, Selbsthilfegruppe, andere Überlebende und verständnisvolle Menschen.


Hindernisse und Chancen:

Die ursprünglich überlebenswichtigen Verhaltensweisen (z. B. Verdrängung, Verleugnung, Dissoziation) können zu einem späteren Zeitpunkt die Heilung erheblich behindern.

Sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalt können zahlreiche Folgeerscheinungen nach sich ziehen. Deshalb ist ggf. enorm viel Aufarbeitung notwendig, aber es gibt auch sehr viele Ansatzpunkte für die Heilung.
Denken, Fühlen, Verhalten, körperliches Empfinden etc., dies alles kann vom Trauma beeinträchtigt bzw. beeinflusst sein.
Da alle Teilbereiche des menschlichen Erlebens zusammenhängen und aufeinander einwirken, können sich Fortschritte in einem Bereich auch günstig auf andere Bereiche auswirken.
Positive Gedanken können z. B. angenehme Gefühle hervorruf
en. Das innere Wohlbefinden kann sich vorteilhaft auf die Beziehungen zu anderen Menschen auswirken.


Balance zwischen „Trauma-Aufarbeitung“ und „Leben“:

Ist sich die Überlebende ständig der massiven Folgen und der noch vor ihr liegenden Aufgaben bewusst, dann kann dies z. B. zur Depression, Sucht (Alkohol, Drogen, Arbeit etc.) und Suizidalität führen. Fortschritte werden dann stark behindert oder sogar unmöglich.

Das Trauma zeitweise zu verdrängen, die Aufarbeitung mal ruhen zu lassen und sich aufs Leben zu konzentrieren, das ist sehr wichtig.

Auf dem Heilungsweg immer gut auf sich und seine Kräfte zu achten, das kann sich als sehr schwierig erweisen. Betroffene und Mit-Betroffene sind hier in gleichem Maße gefordert.

Rückschläge (z. B. wenn die Überlebende sich zu viel vorgenommen hat) und neue Anläufe gehören wohl zum Heilungsweg dazu.


Entscheidung gegen den Heilungsweg:

Die Überlebende kann sich ganz bewusst dazu entscheiden, den beschwerlichen Heilungsweg vorerst nicht zu beschreiten. Sie nimmt damit die bestehenden Einschränkungen und Belastungen in Kauf.
Ob diese Entscheidung nun eher aus Angst getroffen wird oder auf vernünftigen Überlegungen basiert, das ist sicherlich sehr schwer zu beurteilen.


Heilungsschritte sind tatsächlich nicht möglich, wenn ...

-   die Traumatisierung zu stark ist.

-   nicht genügend Lebenskraft für die „Aufarbeitung“ vorhanden ist.

-   die Hilfestellungen nicht ausreichen.

Mit dem Leiden leben zu lernen und zeitweise Zufriedenheit und Glück zu empfinden, das sind dann die großen Herausforderungen für die Überlebende und den Verbündeten.


Scheitern, Zugrundegehen:

Jede Überlebende, die dem Leid und dem Schmerz nicht mehr gewachsen ist und als einzigen Ausweg das sofortige Beenden dieses Leidens sieht, ist ein unbeschreiblicher Verlust und eine Mahnung, sich für eine bessere Welt einzusetzen.


Realistische Heilungschancen:

Überlebende können sich
geheilt fühlen, wenn sie einen großen Schritt auf dem Heilungsweg geschafft haben (z. B. Traumatherapie).
So manche Überlebende wird bereits zufrieden sein, wenn bei ihr das „Leben“ überwiegt und das „Überleben“ bzw. der „Überlebenskampf“ den geringeren Anteil einnimmt.

Ein Rest an Traumafolgen (z. B. Albträume, ungesunde Verhaltensweisen) wird wohl bei den meisten Überlebenden erhalten bleiben.


> Heilung lebt von Hoffnung und Mut. <

Ich wünsche allen Betroffenen und Mit-Betroffenen, dass sie immer wieder Hoffnung und Mut finden und sich beides lange bewahren können.

25.11.13





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